Menstruationsblut (genauer: Menstrualflüssigkeit) wird in der Forschung zunehmend als „Liquid Biopsy“ betrachtet – also als Körperflüssigkeit, aus der man krankheitsrelevante Informationen gewinnen kann. Der Grund: Es ist nicht nur „Blut“, sondern eine Mischung aus Blut, Schleimhautbestandteilen aus der Gebärmutter (Endometrium), Zellresten, Immunzellen sowie vielen gelösten Molekülen (Proteine, Entzündungsmarker, Metabolite) und genetischem Material (DNA/RNA). Dadurch spiegelt es die Vorgänge in der Gebärmutter oft direkter wider als eine normale Blutprobe aus der Armvene.

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Gewinnung (Sampling) – meist selbst zu Hause

Die Probe lässt sich relativ niedrigschwellig sammeln, z. B. mit Menstruationstasse, speziellen Tampons oder (bei manchen Ansätzen) über Einlagen/„Pads“, teils auch als dried blood spot (DBS)-ähnliches Verfahren, um Transport und Lagerung zu erleichtern.

Der große Vorteil ist die Nicht-Invasivität: Viele Menschen, die gynäkologische Untersuchungen als unangenehm erleben, würden eher eine Heimprobe abgeben – was perspektivisch Screening-Teilnahmen erhöhen könnte.

Aufbereitung im Labor

Je nach Fragestellung wird das Material gefiltert/zentifugiert und dann in „Fraktionen“ getrennt: Zellanteile, Plasma/Serum-ähnliche Flüssigkeit, oder winzige Partikel wie extrazelluläre Vesikel (EVs). Aus diesen Fraktionen kann man z. B. Proteine messen, DNA/RNA isolieren oder Mikrobiom-Analysen durchführen.

PCR/Sequenzierung

PCR/Sequenzierung für Virus- oder Erregernachweise (z. B. HPV). Eine systematische Übersichtsarbeit zeigt, dass Menstruationsblut grundsätzlich als Probe für HPV-Nachweis im Kontext Zervixkrebsscreening untersucht wurde.

Zudem gibt es Studien, die Menstruationsblut-HPV-Tests mit klassischen zervikalen Proben vergleichen und hohe Übereinstimmungen berichten (methodenabhängig).

Mikrobiom/Infektionsdiagnostik

Menstruationsblut kann auch zur Detektion von Genitaltraktinfektionen und HPV in einem Ansatz genutzt werden (z. B. über 16S-Sequenzierung plus HPV-PCR).

Endometriose-Forschung/Diagnostik

Hier ist die Hoffnung besonders groß, weil Endometriose oft spät diagnostiziert wird. Aktuelle Arbeiten testen Panels aus genetischen und entzündlichen Markern oder EV/Protein-Signaturen in Menstruationsflüssigkeit als nicht-invasive Hinweise.

Es gibt sogar Proof-of-Concept-Ansätze für schnelle, „teststreifenartige“ Detektion einzelner Biomarker aus Periodenblut (noch nicht Standardversorgung).

Warum ist das noch nicht „Routine“?

Die Hürden liegen vor allem in Standardisierung und Validierung: Menstruationsblut variiert stark (Zyklustag, Blutungsstärke, Vermischung mit vaginalen Sekreten/Mikrobiom, Lagerung/Transport). Für klinische Nutzung braucht es robuste Grenzwerte, große Vergleichsstudien und klare Versorgungswege bei positiven Ergebnissen.

Welche medizinischen Check-Ups Frauen empfohlen werden, findet ihr hier.

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