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Die meisten Frauen kennen es: ein paar Tage bis zu zwei Wochen vor der Menstruation verändert sich das Verhalten, man ist gestresster, reizbarer, schlecht gelaunt und entwickelt allerlei körperlicher Gebrechen, wie Schmerzende Brüste, Gewichtszunahme, Müdigkeit und Fressanfälle. Kurz: Man leidet an dem Prämenstruellen Syndrom, PMS, oder der schwereren Form, PMDS. Mehr als die Hälfte der Frauen im Gebärfähigen Alter leidet in der zweiten Hälfte der Periode darunter. Sie fühlen sich, als wären sie ein vollkommen anderer Mensch. Mit dem Einsetzen der Monatsblutung verschwinden diese Symptome schlagartig und man ist die nächsten Wochen wieder „man selbst“. Bis das Karussell wieder von vorne losgeht.

Der Alltag

Es steht außer Frage, daß gerade diese Zeit für jede betroffene Frau belastend ist. Witze oder dumme Sprüche aus dem meist männlichen Umfeld helfen dabei kaum, im Gegenteil. Bei etwa 5-10 % der Frauen sind die Auswirkungen aber noch eine Stufe schlimmer und ähneln denen einer Depression. Sie fühlen sich wertlos, depressiv, manchmal auch grundlos aggressiv. Es ist ein Wechsel zwischen Jekyll und Hyde, und das jeden Monat. Diese Frauen haben eine schwerere Form von dem bekannten PMS, die prämenstruelle dysphorische Störung, PMDS.

PMDS hat einen enormen Einfluss auf das Alltagsleben der darunter leidenden Frauen. Einige beschreiben, daß sie in der zweiten Zyklushälfte mit ansehen müssen, wie sie literarisch gesprochen alles um sich herum in Trümmer legen und die normalen Wochen damit beschäftigt sind, die Brüche wieder zu kitten, die durch ihr destruktives Verhalten entstanden sind. Bei manchen geht es sogar so weit, daß sie ihren Alltag um ihren Monatszyklus herum planen und in den Tagen, an denen der Einfluss von PMDS am stärksten ist, sich zurückziehen, um möglichst wenig Schaden in ihrem sozialen Umfeld anzurichten. Besonders oft hat die Beziehung darunter zu leiden. Es gelingt nur wenigen Männern, so viel Verständnis dafür aufzubringen und Stimmungen seiner Partnerin in diesen Tagen „ertragen“ zu können.

Diagnose

Die prämenstruelle dysphorische Störung ist, diagnostisch erklärt, eine zyklische, hormonelle Stimmungsstörung mit Symptomen, die während der prämenstruellen Phase des Menstruationszyklus auftreten und bis zum Einsetzen der Menstruation anhalten. PMDS ist zwar direkt mit dem Menstruationszyklus verbunden, aber es ist kein Hormonungleichgewicht. Die Forschung weiß bis heute nicht genau, was PMDS oder PMS verursacht. Durch Studien konnte ein Zusammenhang zwischen Serotonin und PMDS festgestellt werden. Von daher wird vermutet, daß Frauen, die unter PMDS leiden, sensibler gegenüber dem natürlichen Anstieg und Abfall von Östrogen und Progesteron sind.

Die Diagnose ist relativ einfach, die Behandlung hingegen erfordert interdisziplinäres Fachwissen. Das Wichtigste ist, einen Arzt für Frauenheilkunde zu finden, der sowohl die körperlichen als auch die seelischen Ursachen von PMDS überblicken kann. Hilfreich ist, über 3 Monatszyklen hinweg ein Tagebuch zu führen, in dem die seelische Stimmungslage und ähnliches notiert wird. Der einfachste Indikator dafür ist, daß die Symptome schlagartig mit dem Einsetzen der Menstruationsblutung verschwinden und nach 2-3 Wochen wieder auftauchen. Es gibt einen hilfreichen Selbsttest, der Hinweise geben kann, ob Sie mindestens unter PMS leiden. Ein Ersatz für einen Besuch beim Arzt ist das allerdings nicht.

Behandlungsmöglichkeiten

Bei nur leichten Symptomen, also bei PMS, hilft oft schon eine Ernährungsumstellung, Stress­management, Entspannungstechniken oder die Einnahme bestimmter Vitamine. Bei stärkeren Formen von PMDS helfen diese Maßnahmen leider nicht mehr. Ein verbreiteter Therapieansatz ist die Einnahme von  selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI), die auch bei Depressionen zum Einsatz kommen. Was in den meisten Fällen ebenfalls hilft, sind hormonelle Therapien. Die gewöhnliche Pille ist meistens nicht dafür geeignet, es gibt allerdings ähnliche Anti-Baby-Pillen, die mit spezieller hormoneller Zusammensetzung die Symptome deutlich lindern oder sie komplett zum Verschwinden bringen können. In letzter Zeit wurde auch von vielen berichtet, daß gerade die Zusammensetzung von Verhütungsringen einen deutlichen positiven Effekt auf ihr PMDS hat. Sprechen Sie unbedingt mit ihrem Frauenarzt über die Möglichkeiten.

Das Wichtigste, wenn Sie unter PMS oder PMDS leiden ist, daß Sie sich bewusst machen, daß Ihre Beschwerden keine psychische Störung ist, sondern lediglich eine übersensible Reaktion Ihres Körpers. Und vor allem, daß es Dinge gibt, die dagegen getan werden können.

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