Der Trend „Cozy Gaming“ – oft auch als „Comfort Play“ bezeichnet – beschreibt eine Art zu spielen, bei der nicht Leistung, Wettbewerb oder Adrenalin im Vordergrund stehen, sondern Geborgenheit, Entspannung und ein Gefühl von Kontrolle im Kleinen. Besonders viele Frauen (und generell Menschen mit hohem Alltagsstress) nutzen solche Spiele bewusst als Gegenpol zu einem durchgetakteten Leben: als kurze, verlässliche Pause, die emotional „warm“ wirkt – ähnlich wie Tee, Decke und Lieblingsserie, nur interaktiv.

Charakteristik

Typisch für Cozy Games sind ruhige Spielschleifen, niedrige Einstiegshürden und eine freundliche, oft pastellige Ästhetik. Statt Zeitdruck, Strafen oder komplexen Kämpfen gibt es Tätigkeiten wie Gärtnern, Dekorieren, Kochen, Sammeln, Crafting, Fischen, Dorfleben organisieren oder kleine Quests. Erfolgsgefühle entstehen durch stetigen Fortschritt in kleinen Portionen: ein Beet bepflanzen, ein Zimmer einrichten, eine Figur einkleiden, eine Routine aufbauen. Diese Mikromomente von „Ich hab das geschafft“ wirken bei Stress erstaunlich stark, weil sie das Gehirn mit sanften Belohnungen versorgen, ohne zu überfordern.

Spielhaltung

„Comfort Play“ meint dabei nicht nur ein Genre, sondern auch eine Spielhaltung: Viele greifen in anstrengenden Phasen zu vertrauten Titeln, die Sicherheit geben – weil man die Regeln kennt, die Welt vertraut ist und Überraschungen dosierbar sind. Gerade wenn Alltag und Arbeit unberechenbar sind, wird ein Spiel zur „kontrollierten Wohlfühlzone“: Man entscheidet selbst über Tempo, Ziele und Pausen. Das ist ein zentraler Stresspuffer – nicht, weil man „flieht“, sondern weil man den Körper kurz aus dem Alarmmodus holt.

Weibliche Züge

Warum wird der Trend so oft mit Frauen verbunden? Zum einen, weil Cozy Games häufig soziale, kreative und fürsorgliche Aspekte betonen, die viele als erholsam erleben – ohne dass das etwas „typisch Weibliches“ sein muss. Zum anderen, weil sich diese Spiele in Communities stark über Plattformen wie TikTok, Instagram und Twitch verbreiten, wo „Cozy Vibes“ (Soft Lighting, ASMR-ähnliche Sounds, gemütliche Setups) ästhetisch inszeniert werden. Die Spielwelten passen zur Self-Care-Kultur: nicht als Produkt, sondern als Ritual. „Nur noch 20 Minuten mein Farm-Tag“ wird zur Mini-Meditation nach einem Arbeitstag, Mental Load oder Care-Arbeit.

Beispiele

Beispiele, die oft als cozy gelten, sind Lebenssimulationen und Farmspiele, entspannte Aufbauspiele oder narrative Abenteuer mit wenig Druck. Selbst große Spiele werden manchmal „cozy“ gespielt – etwa indem man den Schwierigkeitsgrad reduziert, nur sammelt, baut oder fotografiert. Wichtig ist weniger der Titel als das Gefühl: sicher, freundlich, selbstbestimmt.

Kritik

Gleichzeitig wächst die Kritik: Nicht jedes „cozy“ Spiel ist wirklich stressfrei (Grind, Tageszyklen, Optimierungsdruck), und manche Ästhetik kann zur Leistungs-Inszenierung werden („perfektes Insel-Design“). Dennoch bleibt der Kern stark: Cozy Gaming ist ein alltagsnahes Stressventil, das Kreativität, Routine und sanfte soziale Verbundenheit kombiniert – ein digitales „Durchatmen“, das vielen hilft, wieder bei sich anzukommen.

Die besten Wintergames stellen wir hier vor.

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