Mit „Matreszenz“ (engl. matrescence; manchmal auch „Muttertät“) ist der Entwicklungs- und Übergangsprozess gemeint, in dem eine Frau zur Mutter wird – nicht nur biologisch durch eine Geburt, sondern auch sozial und psychisch (z. B. ebenso nach Adoption oder durch Leihmutterschaft). Der Begriff wurde in den 1970er-Jahren geprägt, um diesem Wandel einen eigenen Namen zu geben.

play-rounded-fill

Pubertätsähnliche Phase

Wichtig ist: Matreszenz beschreibt nicht den Moment „Baby ist da – jetzt bin ich fertig Mutter“, sondern eine Phase, die Zeit braucht. In vielen Beschreibungen wird sie bewusst mit der Adoleszenz verglichen: So wie Pubertät/Adoleszenz den Übergang vom Kind zum Erwachsenen markiert, meint Matreszenz den Übergang von der Frau zur Mutter – mit Umbrüchen in mehreren Lebensbereichen.

Körper und Alltag

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (oder auch die körperliche Realität von Schlafmangel und Care-Arbeit nach einer Adoption) verändern Routinen, Energiehaushalt und das Gefühl für den eigenen Körper. Matreszenz betont: Das ist nicht nur „Begleiterscheinung“, sondern Teil des Übergangs.

Titel: Mutter Hält Ihr Baby
Quelle: Kristina Paukshtite via Pexels | Pexels Photo License

Identität

Viele erleben, dass das bisherige Selbstbild („wer ich bin“) neu sortiert wird: Prioritäten verschieben sich, Werte werden klarer oder geraten in Konflikt. Manchmal entsteht auch Trauer um Freiheiten oder um das „alte Ich“ – neben Liebe, Stolz und Dankbarkeit. Matreszenz erlaubt, dass diese Ambivalenz normal ist

Beziehungen und Rollen

Partnerschaft, Freundschaften, Herkunftsfamilie und Arbeitswelt müssen neu verhandelt werden: Wer übernimmt was? Wo sind Grenzen? Wie verteilen sich Mental Load und Verantwortung? Auch das Verhältnis zur eigenen Mutterrolle (Erwartungen, Ideale, Schuldgefühle) wird oft neu kalibriert.

Titel: Mutter Trägt Ihr Baby Beim Blick Auf Die Naturlandschaft
Quelle: Josh Willink via Pexels | Pexels Photo License

Gesellschaftlicher Druck

Ein Kernpunkt vieler Matreszenz-Ansätze ist, dass moderne Mutterschaft oft unter widersprüchlichen Erwartungen steht (perfekt, gelassen, sofort verbunden, beruflich leistungsfähig). Wenn diese „Normen“ nicht passen, fühlen sich viele Frauen fälschlich defizitär. Ein Begriff wie Matreszenz wirkt hier entlastend: Nicht „ich bin falsch“, sondern „ich bin in einem Übergang“.

Fazit

Matreszenz ist damit vor allem ein Deutungsrahmen: Er macht sichtbar, dass Mutterwerden eine tiefgreifende Entwicklungsphase ist, die Anerkennung, Zeit und Unterstützung verdient – ähnlich wie andere große Lebensübergänge.

Informationen zur Sandwich-Krise gibt’s hier.

Weitere Beiträge

Menstruationsblut als Diagnostik-Material

Gründerinnen-Boom in Dubai

Nachhaltiges zuhause – So gelingt’s

Mit kleinen Veränderungen im Handumdrehen ein gemütliches Zuhause zaubern

Das Geheimnis erfolgreicher Gehaltsverhandlungen