Beckenbodengesundheit für Sportlerinnen ist ein Thema, das in Fitness- und Leistungssport-Communities viel diskutiert wird – weil Symptome wie Belastungsinkontinenz (Urindröpfeln bei Sprüngen, Sprints oder schweren Lifts), Druck-/Schweregefühl im Becken oder Schmerzen erstaunlich häufig sind, selbst bei jungen, nulliparen Athletinnen (also ohne Geburten). Systematische Übersichten zeigen, dass Hoch-Impact-Sportarten (Laufen, Springen, Turnen, Ballsport) besonders oft mit Harnverlust assoziiert sind.

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Was passiert sportphysiologisch?

Der Beckenboden ist kein „Extra-Muskel“, sondern Teil des Core-Systems (Zwerchfell, Bauchwand, Rücken, Beckenboden). Bei Belastung steigt der intraabdominale Druck (z. B. beim Husten, Springen, Landen, schweren Kniebeugen/Deadlifts). Idealerweise reagiert der Beckenboden mit timing-gerechter Spannung und kann danach wieder vollständig loslassen. Wenn diese Koordination nicht passt – etwa durch zu hohe, zu schnelle oder sehr häufige Belastung, Müdigkeit, Atem-/Pressmuster oder individuelle Bindegewebsfaktoren – können Symptome auftreten.

„Unsichtbar“, aber verbreitet

Viele Athletinnen sprechen nicht darüber, weil es peinlich ist oder als „normal“ gilt. Neue Arbeiten unterstreichen jedoch, dass Beckenbodensymptome im Sport keineswegs selten sind: In einer Untersuchung/Initiative rund um Screening im Athletinnenkontext wird berichtet, dass nahezu die Hälfte der befragten Athletinnen Beckenboden-Symptome angab – ein Hinweis darauf, wie groß die Dunkelziffer sein kann.

Wichtig: „Häufig“ heißt nicht „harmlos“. Vor allem Belastungsinkontinenz sollte man nicht einfach wegignorieren, weil sie Trainingsverhalten beeinflussen kann (z. B. weniger trinken, bestimmte Übungen meiden) und die Lebensqualität senkt.

Was hilft wirklich?

Die gute Nachricht: Pelvic Floor Muscle Training (PFMT) ist bei Sportlerinnen gut untersucht und kann sowohl die Muskelkraft als auch Harnverlust-Symptome messbar verbessern. Eine Meta-Analyse 2024 kommt zu dem Schluss, dass PFMT in dieser Gruppe effektiv ist. Auch speziell im „Functional Fitness/CrossFit“-Kontext wurde PFMT in Studien untersucht, weil dort Harnverlust bei bestimmten Belastungen häufig berichtet wird.

Praktische Orientierung für Training und Alltag

  • Red Flags ernst nehmen: Druck-/Fremdkörpergefühl, wiederkehrender Harnverlust, Schmerzen im Becken/Genitalbereich, Probleme beim Entleeren → abklären.
  • Technik & Atmung: Viele profitieren davon, Pressatmung zu reduzieren, Last progressiv zu steigern und die Atem-Koordination (Exzentrik/Anspannung/Absetzen) zu trainieren.
  • Nicht nur „Kegels“: Ein „zu angespannter“ Beckenboden kann ebenfalls Symptome machen – deshalb gehören Entspannung und Beweglichkeit oft genauso dazu wie Kräftigung.
  • Spezialisierte Physio lohnt sich: Beckenboden-Physiotherapeuten können prüfen, ob du überhaupt korrekt anspannst/entspannst und ein sportartspezifisches Programm bauen.

Tipps, um entspannt durch die Wechseljahre zu kommen, gibt’s hier.

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